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Nang Nang
Übergangsobjekte & Übergangsphänomene *

(...) Das Licht durchscheint ihr eierschalenfarbenes Gewebe. Nicht als Mütze würde die Jacke noch taugen für die Frau in der Küche. Jetzt ist die aber in den Flur gelaufen. Tropfen fallen von ihren Händen, die nach dem Aufprall den Boden benetzen, das Messer liegt in der Küche griffbereit. Sie schmeißt den Hörer auf die Gabel, der sich tänzelnd wieder erhebt und die gleiche Leier abspielt. In gleicher Weise, eine alte Weise.
Nun wieder die Jacke im Blick, das Jäckchen. Für erbärmlich ist es zu halten. Es hat nur einen schlichten weißen Knopf ganz oben. Warum der übrig geblieben ist, fragt die Frau sich. Ein einziger glatter Knopf. Sie berührt ihn in der Erinnerung mit den Lippen. Kühl. Glatt. Spiegelglatt. Nimmt das Messer und spült es ab.
– Sag mir Mutter, warum hast du diese Jacke aufgehoben? Konnte sie mich denn in der Fremde beschützen?, fragt sie.
– Die Mutter ist das Kind im fremden Land, ich führ sie an der Hand, antwortet sie sich selbst, halb in die Erinnerung, halb in die Gegenwart versunken. (...)


Die Erzählung Nang Nang ist eine Auftragsarbeit für die Anthologie »Menschenrechte. Weiterschreiben«. Ich habe versucht mit dieser Arbeit einen Blick auf den Artikel 13 einzufangen.

Artikel 13
(1) Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.
(2) Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.


aus dem Salis-Verlag zum Buch:
»Menschenrechte. Weiterschreiben« unterstreicht die Wichtigkeit, sich mit den Menschenrechten auseinanderzusetzen und soll Ausgangspunkt für eine Debatte über deren außerordentliche Bedeutung sein. Die vielgestaltigen literarischen Interpretationen sollen dazu ermutigen, die Artikel der Menschenrechtserklärung weiterzudenken und den eigenen Standpunkt zu durchleuchten.

Alle Texte sind in deutscher Sprache, die übersetzten Beiträge jeweils auch in der Originalsprache zu lesen.

Autorinnen und Autoren:
(D) Amina Abdulkadir, Sacha Batthyany, Urs Faes, Catalin Dorian Florescu, Lea Gottheil, Petra Ivanov, Daniel Mezger, Gianna Molinari, Werner Rohner, Ruth Schweikert, Monique Schwitter, Eva Seck, Henriette Vásárhelyi, Benjamin von Wyl, Julia Weber, Yusuf Yeşilöz
(F) Odile Cornuz, Isabelle Capron, Daniel De Roulet, Heike Fiedler, Max Lobe, Noëlle Revaz, Sylvain Thévoz
(I) Laura Accerboni, Vanni Bianconi, Francesco Micieli, Alberto Nessi, Fabio Pusterla
(R) Göri Klainguti, Leo Tuor

Gebunden, 320 Seiten, 12.5 x 19 cm, Artikelnummer: 978-3-906195-76-6
€ (D) 24.00
CHF 32.00
€ (A) 24.20

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